vivir para viajar – viajar para vivir
Leben um zu reisen – reisen um zu leben
Es geht weiter… von Seguimos el camino – wir folgen dem Weg…
Es ist gar nicht so leicht unterwegs Zeit zu finden, um die ganzen Eindrücke zu notieren und die Gedanken und Erlebnisse zu dokumentieren. Aber: Here we go again…
Ein naheliegendes Stichwort in Kolumbien: Kokain.
Kokain konsumieren kann man hier sozusagen mit Thunfisch essen, Nestléprodukte kaufen oder Plastiktaschen verwenden, vergleichen. Es ist dem individuellen Konsumenten selbst überlassen ob er die Finger davon lässt oder nicht. Das Subsystem dahinter hat jedoch meistens viele Fehler im Getriebe:
Die ökologischen Folgen, bedingt durch den kommerziellen Anbau der monokulturell gehaltenen Koka-Pflanze und die Entsorgung der Chemikalien zur Herstellung der Kokapaste (als Grundstoff für Kokain) verseuchen ganze Landstriche und Gewässer. Durch den Anbau von Schlafmohn werden großflächige Wälder abgeholzt und das massive Düngen von chemischen Substanzen zerstört die Gebiete des Andenhochlandes. Die Drogenwirtschaft durchdringt die Politik, korrumpiert die rechtsstaatlichen Institutionen und bietet den diversen Untergrundorganistationen und den Paramilitärs die Möglichkeit skrupellose, illegale und unfaire Geschäfte durchzuführen. So ist das. Nicht schön. Und die Thematik verfolgt einen hier in Kolumbien natürlich ständig.
Franky aus Origon scheinbar auch – er wird von allen “The Legend” genannt, ist 62 Jahre alt und seit über 12 Monaten auf Reisen. Oder 12 Jahren. Vielleicht hab ich in dem Alter auch schon soviel erlebt. Nachdem er sich mit einer Kuh unterhalten hatte, fing ich an mir ernsthafte Gedanken über die Menschen zu machen, die ihr Leben lang reisen und auch gar nicht mehr anders können. Bei mir ist das auch schon länger so, jedoch möchte ich nicht so enden wie Franky, der keine Sprache mehr anständig spricht und alle einfach irgendwie vermischt. Genausowenig wie er sich Namen, Nationalitäten und verschiedene Menschen auf längere Sicht überhaupt merken kann, weil er anscheinend schon zuviele Leute kennengelernt hat. Dennoch hatten wir ein “momentanes” interessantes Gespräch, welches mir erst aufgezeigt hat, wie glücklich ich mich schätzen kann überhaupt ein Zuhause zu haben. Denn bei Franky ist das anders. Vielleicht hat er auch einfach nur vergessen wo sein Zuhause ist. Auf Reisen sind die Begegnungen und Erlebnisse jedenfalls eine besondere Bereicherung für einen Selber und kaum wo hab ich mehr Zeit und Muse mich selber in unterschiedlichen Situationen neu zu entdecken und zu erfinden.

Ausblick vom Roque

Kathedrale in Guadape
Nach einer Woche in Guatapé (ein kleines Dorf an einem künstlich angelegten Stauseeprojekt) wurde es wieder Zeit den Platz zu wechseln und wir haben endlich Kurs auf die Karibik eingeschlagen. Yeah und dieses Mal bin ich ganz ohne Kreuzfahrttouristen unterwegs. Cartagena!!!

Playa Blanca bei Cartagena

Playa Boca grande, Cartagena
Was laut Kliché zu einer Kolumbienreise scheinbar dazugehört, hat sich leider auch erfüllt. Da ich ja ständig von irgendwelchen Leuten bzw. Männern beglotzt werde, bin ich es Leid ständig darauf zu achten was um mich herum passiert und ich versuche nicht andauernd im Mittelpunkt zu stehen. Diesmal hat mich ein professioneller Dieb beobachtet und ist in einem unaufmerksamen Moment mit meiner gesamten Handtasche abgezischt. Ich war grad mal eine Stunde in Cartagena de las Indias. Da er mich unmittelbar vor dem Check In im Hostel beklaut hatte, hat er echt einen lukrativen Fang gemacht: Netbook, Kamera, Mp3 (Es tut mir so leid Feli, aber du bist warscheinlich nicht überrascht), Handy, Bankomatkarte und das allerwichtigste – mein Pass! Nachdem in allen möglichen Internetforen nur von einer Heimreise mit dem benötigten Notfallpass die Rede ist, war ich kurz vor der Verzweiflung. Dass ich beklaut werde, damit habe ich ja gerechnet…aber dass ich so bald wieder heimfliegen soll – damit sicher nicht!!! Nun gut, ich bin froh, dass ein in weiss bekleideter, arroganter Konsul der österreichischen Botschaft mein Anliegen sehr kompetent bearbeitet hat und dass der österreichische Notfallpass doch für ein Jahr lang gilt! Bienvenida al lado oscuro de Colombia! Ich werde ja ständig von irgendwelchen Kolumbianern herzlich willkommen geheißen, dieses Mal war es eben die Erfahrung mit der dunklen Seite Kolumbiens.

nachts in Cartagena

Kolonialstil in Cartagena
Mein erster Eindruck von Cartagena hat sich im Laufe der nächsten Tage auch kaum geändert. Hier sind zuviele Touristen an einem Platz und es kommt zu einem unausgeglichenen Zustand des Neides, Ausbeutung und zu krassen Diskreptanzen von Arm und Reich.
Am nächsten Tag habe ich einen Überfall auf einen armen Straßenhändler beobachtet, der brutal zusammengeschlagen worden ist. Cirka 100 Meter weiter sind fünf Polizisten gestanden, aber die haben scheinbar nichts mitgekriegt. 200 Meter weiter stand eine Kathedrale wo gerade ein Gottesdienst stattfand. Jetzt verstehe ich ein bischen mehr, warum Menschen Halt im Glauben suchen. Abgesehen davon ist die Kolonialreligion an sich schon absurd genug.

Jesus ist überall
Ein paar hundert Meter weiter befand sich der Plaza de Simon Bolivar (nach einem der größten Befreier des südamerikanischen Kontinents benannt). Dort kann man exklusiv Fisch und Meeresfrüchte in feinster Ambiente und umgeben von bunten Kolonialbauten, konsumieren. Unser ethischer Mittelweg befand sich mit einem Schrimpcocktail an einem Straßenkiosk. Der war sehr lecker und soll sehr potenzfördern sein, wie mir ein Kolumbianer erklärt hatte, dessen Großvater 33 Kinder mit drei verschiedenen Frauen hat. Trotz streng katholischer Erziehung sollen die meisten Männer hier drei Frauen gleichzeitig haben. Swingerclubs gibts en más und Ragaton wird kaum wo heißer getanzt wie hier. Das alles lässt sich wunderbar mit der Konfession vereinbaren.
Wenn man die unterschiedlichen Viertel der Stadt miteinander vergleicht, lässt sich vieles miteinander vereinbaren. Langweilig wurde es mir hier jedenfalls nicht. Vor allem auch nicht, weil ich jetzt ständig paranoid damit beschäftigt bin auf meine Sachen aufzupassen und auch weil ich andauernd die Gringopreise runterhandeln muss. Das ist manchmal echt anstrengend! Abgesehen davon ist Cartagena sehr beeindruckend: die Architektur, das Meer und die Fusion von Kolonialstil und Karibikflair machen doch meine schlechten Erfahrungen etwas wet. Und auch die Einsicht, dass es den meisten Menschen auf dieser Welt nicht so gut geht wie mir, lassen meinen materiellen Verlust nichtig erscheinen. Obwohl der Wert für mich weitaus höher war, als für dieses blöde Karmaarschloch. Nach einer halben Flasche Rum sieht sowieso alles wieder anders aus.

Cartagena

Jerry und sein Frühstück
Ich liege gerade in der von mir heiß ersehnten Hängematte im Casa de Felipe in Taganga bei Santa Marta. Vor mir liegt das im Reiseführer als idyllisches Fischerdorf mit aufkommendem Hippytourismus beschriebe Dorf. Vor fünf Jahren war das wahrscheinlich auch so. Es ist trotzdem wunderschön hier, trotz vieler “Hippygringos”. Zwischendurch finde ich es grad irgendwie mal entspannend nicht die einzige zu sein, die beobachtet wird. Und heiß ist es hier!

Taganga 36 Grad

Taganga Bucht

Sonnenuntergang in Taganga
Drei Tage zu Fuß entfernt liegt die Ciudad Perdida und morgen früh startet auch schon unsere Wanderung in die Sierra Nevada zur verlorenen Stadt. Die paar Tage fern von der Zivilisation wird mir gut tun. Auf dem Weg zur verlorenen Stadt vergesse ich hoffentlich meine Gedanken über verlorene Gegenstände!
Leider bin ich vor der Wanderung nicht mehr dazu gekommen, die Fotos hochzuladen. Deshalb melde ich mich erst jetzt wieder. Mama, du musst dir also keine Sorgen machen! Nach fünf Tagen wandern und 1 000 001 Schritten sind meine Füße zwar komplett zerstört, jedoch war es die Anstrengung auf jeden Fall wert. Wir haben uns auf Birgit Willam´s Ratschlag hin für die längere Rundwanderung entschieden und darüber bin ich sehr froh. Denn die kürzere Wanderroute ist schon sehr überlaufen und komerziell. Und ich geh generell nicht gern den gleichen Weg zurück. Über die “Taura” (ein indigener Weg des Cogi und Aurakenvolkes) wanderten wir über die Berggräte der Sierra Nevada, durch den Dschungel mit seiner vielseitigen Vegetation, dessen Farben besonders durch die Anstrengung und die unterschiedlichen Tageszeiten an denen wir wanderten hervorkamen. Auch die einzelnen Hütten der Auraken fand ich ziemlich beeindruckend. Unsere Trekkinggruppe war auch sehr interessant: zwei Chileninnen, ein Italiener, zwei Deutsche, drei Franzosen, Lucia, Schero und ich. Somit waren auch die Abende bei Kerzenschein und Moskitoregen ein Erlebnis. Cirka 70 Km weiter und 200 Euro leichter ist mein Resümee: Zivilisation oje. Und schön wars…

Indiohütte

Pause

Ausblick von der Ciudad Perdida

Ciudad Perdida

Iguana

Lucia und Gamacho, unser Guide
Ich melde mich dann wieder, bis dann ihr Lieben und lasst euch nicht vom Winter die Laune verderben. Besote grandote!!!

Sonnenuntergang in Taganga – täglicher Plichttermin




















Am 24.01.2011 um 02:24 Uhr
Was für schöne schöne Fotos!!!!!
Auch deine Reiseberichte sind richtig mitreißend geschrieben!! Bitte mach so weiter, ich komme die letzten Tage öfters hier vorbei, um zu gucken, ob es was Neues von Eurer Reise gibt!
LG,
Anita
Am 24.01.2011 um 10:39 Uhr
..bueno.
klingt ja alles wirklich spannend. der Verlust ist vielleicht sogar “erleichternd”, nicht?
schön Jerry alias Gerry zu sehen! wie klein die Welt ist!
pass uf di uf!
lgce
Am 07.02.2011 um 22:40 Uhr
Liebe Alex!
Bin begeistert von deinem Reisebericht und den Fotos! Saludos y te deseo muchas adventuras mas!!!! Besito fuerte
Berena^^
Am 11.02.2011 um 12:33 Uhr
Puh – ist das gigantisch! Ich will sofort weeeeeeg aus dem kalten Deutschland
!!!