Seguimos el camino – wir folgen dem Weg…
Es geht weiter… von Caminando por la vida
Hola tod@s,
ich hoffe ihr hattet alle ein schönes, besinnliches und nicht zu stressige Weihnachten sowie ein den Erwartungen entsprechendes Silvester mit einem guten Start ins 2011!!!
Bei mir ist alles bestens. Leider sind unsere minimalen Reiseroutenpläne im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen. In Kolumbien regnet es dieses Jahr noch mehr als gewöhnlich (statt zwei Monate Regenzeit – Fünf!). In den letzten Wochen sind einige Erdrutsche abgegangen und die meisten Straßen sind gesperrt – so auch die Panamericana. Bei den Baukontruktionen hierzulande ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass viele Häuser zerstört sind. Eigentlich dachten wir, dass wir früher oder später von Bucaramanga aus Richtung Norden weiterfahren können, doch vorraussichtlich sind die Straßen erst wieder in einem Monat befahrbar.
Nachdem wir uns an den weihnachtlichen Hilfspaketen für die betroffenen Bauern beteiligt haben, gabs für uns eine feucht-fröhliche wenig besinnliche und mal ganz andere Variante von Weihnachtsfete im Hostel in Bucaramanga. Auf der Dachterrasse wurde das vom Chinesen bestellte Essen mit ein paar Flaschen Rum hinuntergespült und mit dem Gringoblut vermischt. Mhmm. Nicht so wirklich weihnachtlich und eher weniger harmonisch, aber lustig wars. Lucia und ich haben uns auch endlich mal getraut uns auf die kolumbianische “Rumba” einzulassen. Und da diese erst ab 1h nachts richtig beginnt, werden schnell mal Nächte durchgetanzt (allerdings sollte einem Reaggeaton und Salsa gefallen).
Am nächsten Tag gings mit dem Flugzeug weiter nach Medellin. Eigentlich wollte ich keine Inlandsflüge nehmen, aber nachdem der Flug dann doch nur ca. 60 Euro bei Avianca – Airline gekostet hat und wir aufgrund der Straßensperre nicht weiter nach Norden gekommen wären, war das die beste Möglichkeit. Außerdem gibts in Bucaramanga nicht soviel zu sehen, außer kontroverser Stadtimpressionen die zwischen Wellblechdach, Brustoperationen und Industrie variieren. Via Bogotá waren wir dann bereits nach einer Stunde in Medellin.
Wie mir alle schon im Vorhinein versicherten, sollen hier die freundlichsten und schönsten Menschen Kolumbiens leben. Nach dem ersten Eindruck konnte ich es kaum glauben, dass ich noch im gleichen Land bin. Die Stadt ist kein Vergleich zu Bogotá – die Kontroll- und Sicherheitsvorkehrungen, der etablierte Sozial- und Arbeitssektor und der allgemeine Wohlstand ist kaum zu glauben. Es heißt, dass Medellin dank ihrem lokalen Drogenbaron Pablo Escobar diesen Status erlangt hat.
Warum malt Botero dicke Menschen? – Escobar
Meiner Meinung nach herrscht hier eine weniger oder doch mehr korrupte Atmosphäre. Die Stadt hat 1995 sogar eine Seilbahnmetro beigesteuert, um die ärmeren Außenbezirke mit dem Stadtkern zu verbinden, unter anderem auch um den Tourismus anzukurbeln.
Seilbahn Medellin, Station Santo Domingo
50 Cent kostet ein Metroticket vom einen Ende zum Andern der Stadt. Das Bankenviertel hier ist auch nicht ohne. Sogar die Hochhausweihnachtsbeleuchtung ist auf jedem Stockwerk gleich und pompös. Wer zahlt das alles? Wo sind beim Plan Colombia ähnliche Einblicke wie auf Wikileaks oder Stuttgart 21 zu finden (Plan Colombia Wikipedia )?
Die letzte Woche im Jahr findet in Medellin das “El Alumbral” – ein Weihnachtsbeleuchtungsfestival, statt. Besonders in dieser Stadt hat sich die Beleuchtung zu einer eigenen Kunst entwickelt. Unglaublich ist sowieso, welche Obsession die Leute hier mit Weihnachten haben. Jedes noch so schlichte Haus ist mit strahlender Beleuchtung dekoriert und die Krippen, kletternden Coca Cola Weihnachtsmänner und Weihnachtsbäume werden schon Anfang Dezember an allen erdenklichen Plätzen aufgestellt.
El Alumbral Weihnachtsbeleuchtungsfestival in Medellin
El Alumbral Weihnachtsbeleuchtungsfestival in Medellin
Weihnachtsbraten
Eine weiter Sehenswürdigkeit ist das Boteromuseum und die Statuen des lokalen Künstlers auf dem Platz davor.

Kolumbianische Krippe
Nach ein paar Wochen in Kolumbien und besonders in Medellin kann ich mir nun vorstellen, wie sich ein Filmstar fühlt. Ich kann mich jedoch nicht daran gewöhnen, ständig beobachtet zu werden und mit Leuten fotografiert zu werden, die manchmal nicht mal Europa kennen, geschweige denn Australia, ahh Austria. Grundsätzlich hat es natürlich viele Vorteile wenn einem so viel besonderes Interesse beigemessen wird, aber ich finde es manchmal ganz schön anstrengend eine große blonde Gringa zu sein. Dennoch ist es eine unglaublich schöne Erfahrung für mich, soviele interessante Gespräche zu führen, die dem Kapitalismus ferner und den zwischenmenschen Beziehungen näher sind. Es ist auch kaum zu glauben, wie sich die Kolombianer für ihr Land einsetzen und versuchen, die Gewalt- und die Drogenvergangenheit zu verarbeiten. In den letzten Jahren hat sich unglaublich viel getan und die Menschen können sich hier endlich wieder frei bewegen. Die FARC und Paramilitärs scheinen so gut wie zerschlagen zu sein und selbst oder vielleicht besonders als Tourist fühlt man sich hier sehr beschützt oder bewacht…

Colcola
Nachdem dieses Jahr eher schwierig für mich war, viele tagelang erarbeitete Seiten meiner Diplomarbeit als doch für nicht brauchbar betitelt wurden und unzähligen Behördengänge auf die Uni Wien meine Nerven blank legten – gilt dieser Jahreswechsel für mich als besondere Erleichterung und läutet sozusagen einen neuen Abschnitt für mich ein. Nachdem ich bereits einen Monat Zeit hatte mich von den Diplomarbeitsstrapatzen zu erholen und in die kolumbianische Kultur einzutauchen, fiel es mir auch sehr leicht das neue Jahr ganz auf die kolumbianische Art zu beginnen (das heißt lebensfroh, intensiv, offensiv, extrovertiert und natürlich Salsatanzend).
Da Medellin mit seinen ca. 3.5 Millionen Einwohnern doch etwas groß und unüberschaubar ist (und das halbe Hostel von “Kokstouristen” belegt war), zogen wir es vor nach Guatapé weiterzureisen. Die Gegend hier ist unglaublich. Unser derzeitiges Hostel “Lake View” – wie der Name schon sagt – liegt direkt an einem riesigen Stausee (für das größte Hydroelektrizitätswerk in Kolumbien), welcher sich seit ca. 40 Jahren durch das verwachsene Hügelland schlängelt. Durch diese besondere Idylle werden viele kolumbianische Touristen angezogen und auch schon ein paar Gringos haben sich hier niedergelassen (mhmm ein dreistöckiges Haus kostet hier cirka 50.000 Euro). Ingesamt ist Guadapé noch ein 2000 Einwohnerdorf ohne ATM und nur einem Hauptplatz und nur einem Zentrum. Besonders ist hier auch “La Piedra – El Penon”, ein 200m hoher Stein mitten in der Landschaft. Gestern haben wir eine doch eher anstrengende Fahrradtour zu diesem wahnsinns Aussichtsplatz gemacht. Nach ca. 700 Stufen bietet sich einem eine beeindruckende Aussichtsplattform. Und schon wieder sieht die Landschaft komplett anders aus und ich kann es wiederum kaum glauben, dass ich mich im gleichen Land befinden soll.
Staudammprojekt in Guadapé
Obstmarkt in San Gil
Puente Occidente – Älteste Hängebruecke in Kolumbien
So, die Sonne scheint und der englische Hostelbesitzter fängt an mich zu nerven, ich geh jetzt Kajakfahren und wünsch euch was!


















Am 05.01.2011 um 13:18 Uhr
super toller und interessanter Bericht. War schön zu lesen! danke dafür
Am 06.01.2011 um 14:42 Uhr
Sehr interessant und belebend!!! Ich wünsch euch beiden weiterhin so tolle experiencias en el otro mundo!!!
Am 07.01.2011 um 19:45 Uhr
WOW! Meine Schwester schreibt richtig interessant! Joder!!! Da kriegt man ja richtig Fernweh! Weiterhin alles Gute für Euren Trip!!
Am 09.01.2011 um 17:05 Uhr
Wo bleiben bitte die ganzen versauten Geschichten?
Am 19.01.2011 um 21:56 Uhr
haha.
dito!
her damit.
Am 22.01.2011 um 14:25 Uhr
[...] Es geht weiter… von Seguimos el camino – wir folgen dem Weg… [...]
Am 24.01.2011 um 14:24 Uhr
Einfach toll!!!